• Judith Heuer

Covid-19 aus Sicht einer Ärztin und Achtsamkeitstrainerin

Wollen wir hoffen, dass Covid -19 wie SARS oder MERS durch einschneidende Quarantänemaßnahmen eingegrenzt werden kann. Es kann aber auch gut sein, dass der Zug zur Eindämmung des Virus schon längst abgefahren ist. Als ich während meines Medizinstudiums in den 90ern in einer Mikrobiologie-Vorlesung saß, gab es gerade einen der ersten Ebola-Ausbrüche. Wir Studenten waren darüber alle besorgt und befragten unseren Prof zu seiner Einschätzung der Lage. Seine Antwort war so einfach und logisch, dass wahrscheinlich niemand von uns sie vergessen hat: Es gibt dumme Viren, die ihren Wirt schnell und effektiv töten und es gibt schlaue, die verstecken sich im Wirt und töten selten. Durch die Summe der Erkrankten sind die Schlauen die echten Killer. Ergo: Ebola ist dumm. Es ist zwar fatal für denjenigen, der es hat, doch der ist dann gleich so krank, dass er wahrscheinlich nicht erst noch durch die Welt reisen und es verteilen wird. Covid-19 dagegen ist schlau. Es versteckt sich lange, reist im Wirt durch die Welt und vermehrt sich dabei wunderbar. Damit hat es die Potenz zu einer Pandemie, die wir nach Definition (Länder und Kontinent übergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit beim Menschen) eigentlich schon haben, wenngleich die WHO den Pandemiefall noch nicht offiziell erklärt hat. Ein Rätsel ist mir allerdings, wie entspannt, fast ignorant mancher Gesundheitspolitiker die derzeitige Situation beurteilt. Allen voran wird behauptet, Deutschland könne das gar nicht so treffen, jede Grippe wäre schlimmer und selbst, wenn das Virus doch zuschlagen sollte, wären wir bestens vorbereitet. Dazu Fakten, die derzeit zu Covid-19 bekannt sind: -Covid-19 scheint ansteckender als die Grippe zu sein. Die Basisreproduktionszahl R0 (Anzahl, wieviele Personen sich an einem Infizierten anstecken) für die saisonale Influenza liegt etwa bei 1,3. Bei Covid- 19 wurde diese zunächst auf 2-3 geschätzt, inzwischen gibt es Publikationen, die von einem Wert von 3-4 oder gar von 6,6 ausgehen. Quelle: https://www.medrxiv.org/conten... - Es vermehrt sich im Rachen von Symptomlosen, die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion oder auch als Schmierinfektion. -Es wir außerdem in Stuhlproben und Analabstrichen nachgewiesen. -Es persistiert 5-9 Tage besonders gerne in Kälte auf Oberflächen (Türklinken, Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufswagen etc.). -Bei Erkrankten ist der Verlauf derzeit zumindest in China deutlich aggressiver als bei einer Influenza: Bei 81% verläuft die Erkrankung mild, bei 14% ernst, bei 2,3% letal (zum Vergleich: Bei Grippe 0,05-0,1%). Quelle: http://weekly.chinacdc.cn/en/article/id/e53946e2-c6c4-41e9-9a9b-fea8db1a8f51 -Kinder scheinen gut davonzukommen, ab 60 Jahren oder mit Vorerkrankungen sieht das Ganze schlechter aus. Und dann gibt es noch die Fälle, in denen ein junger, fitter Arzt oder ein vorher gesunder Krankenhausdirektor trotz sicher eingesetzter Maximaltherapie daran verstorben sind. Was bedeutet das für Deutschland? -Zu den Vorerkrankungen, die den Verlauf erschweren, gehört Diabetes. Bedauerlicherweise ist jeder Zehnte bei uns Diabetiker, das sind 8 Millionen. -Ab einem Alter von 60 sieht es auch nicht so gut aus. Der Anteil der über 60jährigen in Deutschland liegt bei ca. 23,5%, das entspricht 18,8 Millionen. -In Deutschland sind 6 Beatmungsplätze für 40.000 Einwohner vorgesehen. Aufgrund von Pflegekräftemangel wurden in letzter Zeit immer mehr Intensivbetten gesperrt oder gestrichen. Jeder, der in einer Klinik gearbeitet hat oder arbeitet, kennt die Situation, dass Operationen, die eine Nachbeatmung erfordern, nicht durchgeführt werden können, weil gerade kein Beatmungsplatz frei ist. -Deutschland hat sein Gesundheitssystem zusammengekürzt, wo es geht. Um Kosten für Medikamente zu sparen, verließ man sich auf die günstige Produktion aus China, sodass es bereits jetzt Arzneimittelengpässe gibt und sich die Situation- gerade auch im Bereich wichtiger Antibiotika- weiter verschärfen wird. -Inwiefern es gelingen wird, Covid-19 im Falle eines größeren Ausbruches im Krankenhaus so zu isolieren, dass es dort nicht weiter verbreitet wird, bleibt nur zu hoffen. Nicht umsonst haben wir eine viel zu hohe Anzahl von nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Infektionen und multiresistenten Keimen. Und jetzt, was kann du nun für dich tun? Eine gute Selbstfürsorge: -Hygiene- insbesondere regelmäßiges Händewaschen- schadet nie und hilft generell, dass Krankheiten weniger verbreitet werden und du dich seltener ansteckst, - Niesen oder Husten nur in die Ellenbeuge (und nicht in die Hand) und andere höflich darauf aufmerksam machen, das genauso zu tun, -auf Händeschütteln verzichten, -unterwegs die Hand nicht ins Gesicht führen, -alles tun, was dein Immunsystem stärkt (Ernährung, Bewegung, Schlaf, Meditation), -dir seriöse Quellen suchen, um dich über Covid-19 auf dem Laufenden zu halten. Last but not least: Befasse dich gedanklich damit, dass Covid-19 bei uns ankommen könnte, ohne dabei in Panik zu verfallen. Überlege dir, was das für dich bedeuten würde und wie du handeln könntest. Wenn du das getan hast, lasse das Thema weiterziehen. Du kannst nur im gegenwärtigen Moment leben. Deine Sorgen von heute verhindern nicht deine Probleme von morgen, sie würden dir nur schon heute den Tag verderben. Mögest du glücklich sein!

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